Eyyûb el-Ensârî ve Pierre Loti

Pierre Loti Café

Ayyûb al-Ansârî und Pierre Loti

Meinen freien Tag im Praktikum habe ich nicht umsonst auf den Freitag verlegt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, von nun an jeden Freitag in einer großen berühmten Moschee das Freitagsgebet zu verrichten. Heute ist die Wahl auf die Moschee vom Prophetengefährten Ebû Eyyûb el-Ensârî gefallen. Meine frühen Vorbereitungen hab ich bereits im Studentenwohneim getroffen und muß nur noch die sogenannte „Akbil“ (Fahrkarte) kaufen und meinen Bus finden, der mich zum Stadttteil Eyüp bringen soll. Akbil sieht aus wie ein Flaschenöffner und hat am einen Ende eine Art Batterie aus Stahl befestigt, auf der Mann Geld aufladen kann. Je nach Strecke und je nach Transportmittel ändern sich die Gebühren. Um nicht in den Stress mit dem Kleingeld zu kommen, lädt man diese Akbils an Automaten auf und berührt beim Einsteigen in ein Verkehrsmittel einen spziell angefertigten Bereich und die entsprechende Gebühr wird vom Konto abgebucht. Meine Akbil bekomme ich schnell, aber meinen Bus finde ich nicht. Ich frage einen Mitarbeiter der IETT, von wo aus der Bus Nr. 55T losfährt. Er sagt aber nur: „Von da unten an der Bibliothek“. Ich bedanke mich und gehe inirgendeine Richtung, als ob ich wüsste, wo die Bibliothek ist. Wenn ich jetzt umkehre und nochmal fragen würde, köme ich mir blöd vor. Ich laufe fast den ganzen Taksim Platz entlang und betrachte die Busschilder an der Frontscheibe, um wenigstens die Zahlen systematisch orten zu können. Die Buslinien scheinen aber willkürlich und unsystematisch von jeder Ecke aus zu fahren. Als es 11 Uhr wird und ich nur noch eine Stunde Zeit bis zum Freitagsgebet habe, traue ich mich wieder an einen Mitarbeiter und frage nochmals nach. Er deutet mit dem Finger auf die Station hin.

Eyüp Sultan Moschee
Eyüp Sultan Moschee

Ich steige in den Bus ein, bezahle angenehm mit der Akbil und nehme Platz. Draußen ist es sonnig und klar. Ein schöner Tag, um einen Ausflug zu organisieren. Angekommen in Eyüp fallen mir sofort die schönen kleinen Wasserfontänden auf, die ich von meinem letzten Besuch in Istanbul, als ich noch klein war, in Errinerung habe. Eine beängstigende Menge an Menschen haben sich auf einen Haufen versammelt. Mich begrüßt im wahrsten Sinne des Wortes eine „Mehter“ Mannschaft mit traditionell osmanischer Kriegsmusik. Jeder Schlag auf die große Trommel bewirkt Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. So muss es wohl auch den Feinden während des Krieges ergangen sein. Sie spielen auf einer künstlich erstellten Bühne mit einem Riesenpanel mit der Aufschrift: „Asker Uğurlama Merasimi“ (Soldatenverabschiedungsveranstaltung). Nachdem ein Stück gespielt worden ist, spricht der Bürgermeister des Stadtteils und wünscht allen jungen Männern, die den Wehrdienst ableisten werden, viel Glück und frohes Schaffen. Begleitet mit dem Applaus der Zuschauer betreten die Wehrdienstanwärter die Bühne und singen die Musik im Hintergrund mit türkischen Fahnen in der Hand mit. Rechts neben der Bühne bemerke ich aufgestellte Zelte. Darin sind Tische aufgestellt. Auf den Tischen befinden sich Riesentöpfe mit Reis und mehrere Bescher Ayran. Pappteller und Plastikgabel bilden das Besteck. Anscheinend wird nach der Veranstaltung dem Volk gratis Essen verteilt, wie es üblich ist in der Türkei. Dann kommt auch Cüneyd vorbei und wir begeben uns in den Vorhof der Moschee, als die Zeit des Gebets naht.

Im Hof wurden bereits Plastikteppiche ausgelegt, weil an Freitagsgebeten eine hohe Besucherzahl erwartet wird. So war es auch. Wir finden nur schwer Platz zwischen den vielen Männern. Unsere Schuhe müssen wir in eine Plastiktüte packen und an einer freien Stelle im Hof abstellen. Die Tauben fliegen über uns, die kühle Luft streicht meinen Nacken und die Predigt des Imams ist lehrreich. Er erzählt vom Prophetengefährten Eyyüb el-Ensarî, der dieser Moschee seinen Namen gegeben hat und hier begraben liegt.

Aussicht vom Pierre Loti Hügel
Aussicht vom Pierre Loti Hügel

Das Gebet endet und wir besuchen kurz das Grabmal. Danach wollen wir auf den Hügel, wo sich das Cafe von Pierre Loti befinden soll. Um dahinzu gelangen, müssen wir durch einen großen Friedhof gehen. Innerhalb des Friedhofes sehen wir die Grabsteine vieler berühmter Persönlichkeiten; Sultan Reşad, Seyyid Ahmed Arvâsî, Necip Fazıl Kısakürek, Mahmud Esad Coşan, Fevzi Çakmak und Kazım Karabekir. Oben angekommen genießen wir die wunderschöne Aussicht mit Blick auf den Goldenen Horn und trinken einen sehr leckeren Apfeltee. Den Weg nach unten nehmen wir dann mit der Gondel.

Unser nächster Halt soll Eminönü sein, daher nehmen wir den Wasserbus von der Anlegestelle „Eyüp“. Die vielen Häuser gleiten einem hinweg und die Möwen ebenfalls. Nach ca. 20 min kommen wir an und gehen auf den überdachten Markt mit der Bezeichnung „Kapalıçarşı„. Die vielen Gassen und Straßen innerhalb des Marktes und die einzelnen Bereiche, kategorisiert nach den verkauften Produkten sind derartig zahlreich, dass man schnell den Weg verlieren kann. Ich verschaffe mir grob einen Überblick, was hier alles angeboten wird, um später meine Einköufe von hier zu betätigen.

Rausgekommen aus dem Markt, geht es nun auf den alten Büchermarkt, genannt „Sahaflar Çarşısı„, unmittelbar neben der Eingangstür zur Istanbul Üniversitesi. Die vielen Bücherläden erfruen so manch einen Bücherfreund das Herz. Wir betreten einen Laden und verweilen sehr lange darin. Vor allem weil ich mir vorgenommen habe, nicht rauszugehen, ohne ein Buch zu kaufen. Ich entscheide mich für „Babam Sultan Abdülhamid“ von Ayşe Osmanoğlu und für ein Osmanisch Lehrbuch. Nach dem Kauf wird es auch draußen langsam dunkel und der Tag ist wieder mal vorbei.

Cüneyd kehr in 2 Tagen wieder nach Deutschland zurück und ich bin wieder auf mich allein gestellt. Die Zeit mit ihm war sehr schön, weshalb ich mich hier sher herzlich von ihm bedanken möchte: „Allah râzı olsun“ (Möge Allâh Wohlgefallen an dir haben).

Vesselam

Bilal Erkin, M.A. 57 posts

Bilal Erkin ist studierter Islamwissenschaftler und Informationsverarbeiter. Derzeit ist er Doktorand am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück und Referent beim Avicenna-Studienwerk.

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