Kıyâs-ı Nahl

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Der „Bienenvergleich“

Das Jahr 2010 neigt sich dem Ende zu und die TV-Sendungen trauen  die nächsten Tage einen Rückblick auf die vergangenen wichtigen und redundanten Ereignisse, die Deutschland über 300 Tage beschäftigte. Bis die BRD am Anfang des Jahres 2011 ankommt, „feierten“ die Muslime bereits am 07. Dezember das Erreichen der Jahreszahl 1432.

Was Muslime und Nichtmuslime in diesem Punkt verbindet, ist die Frage, was wir mit diesem angehäuften Material an Informationen anstellen sollen. Lohnt es sich alles aufzunehmen, jedes Zitat auswendig zu lernen und unsere Planungen im nächsten Jahr danach auszurichten oder ist es eher naheliegender, alles zu ignorieren und auf ein besseres Jahr zu hoffen?

Den Mittelweg zu finden ist eine Herasuforderung, die nicht jeder sinnvoll bewältigen kann. Wie auch in fast allen anderen Bereichen, ist die Geschichte der beste Lehrer. Diesmal wurde ich in der Geschichte des Christentums fündig.

Er ist bekannt unter dem Namen „Basilius der Große“ und entwickelte eine Theorie, die sich „Bienenvergleich“ nennt. Diese Theorie besagt folgendes:

„Wie die Biene den Honig aus den Blüten saugt, so soll der Christ die heidnische Literatur nutzen. Die Biene wählt aus den Blüten. Das Nützliche trägt sie heim.“

Dieser Vergleich wurde zu der Zeit aufgeworfen, als die ersten christlichen Schulen eingerichtet und die heidnische Literatur weit verbreitet war. Christliche Stimmen lehnten diese Lehren vehement ab, weil sie nicht im Einklang mit dem Christentum standen. Durch das Besuchen von öffentlichen Schulen und dem selektiven Aussuchen von Bestandteilen, die dem christlichen Glauben von Nutzen sein könnten, fand Basilius den vorübergehenden Mittelweg.

Überführt man diese Theorie auf die heutige Medienlandschaft und die nichtsbringenden Islam- und Integrationsdebatten, kristallisiert sich folgende Schlussfolgerung:

Auch wenn jedes Mal, wenn der Fernseher eingeschaltet oder bestimmte Internetseiten aufgerufen werden, Informationen an den Rezipienten vermittelt werden, die der blühenden Mehrheitsgesellschaft, die friedlich mit den Minderheiten harmonieren soll, im Wege stehen, muss der Betrachter aus diesem Material das Wichtigste heraussuchen.

Sonst haben wir keinen Unterschied zu Schulanfängern im 17. Jahrhundert, die am Rutenfest (Virgatum) teilnathmen und mit dem Lehrer im Wald nach Ruten suchen, die später den Schülern als Strafe zum Verhängnis wurden.

Mit der Hoffnung auf Besserung im Jahre 2011…

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Literaturangaben:

Petzoldt, Leander: Volkstümliche Feste, München 1983, S. 180 ff.

Hofer, Manfred: Zu den Wirkungen von Lob und Tadel, 1985, S. 415-427

Angelika Rudolph, Erziehung in der Verantwortung vor Gott, 2004

Friederike Bräutigam, Basileios der Grosse und die heidnische Bildung, Eine Interpretation seiner Schrift Ad adolescentes, 2003

Bilal Erkin, M.A. 57 posts

Bilal Erkin ist studierter Islamwissenschaftler und Informationsverarbeiter. Derzeit ist er Doktorand am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück und Referent beim Avicenna-Studienwerk.

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