Kommentar zu den Empfehlungen der JIK an die DIK

In einer aktuellen Pressemitteilung hat die Stiftung Mercator bekanntgegeben, dass die Teilnehmer der „Jungen Islam Konferenz“ ein Empfehlungskatalog mit insgesamt 10 Empfehlungen an die „Deutsche Islam Konferenz“ überreicht haben.

Die Empfehlungen lassen sich im Überblick wie folgt zusammenfassen:

1. Einrichtung einer Jungen Islam Konferenz

Was mit Vertretern der staatlichen und muslimischen Seite bereits stattfindet, soll übertragen werden auf Jugendliche unter dem Namen „Junge Islam Konferenz“. Damit will die Jugend mit ihrer Lebensrealität eine Bereicherung sein, weil sie sich als „plural, vielfältig und bunt begreift und die Chancen und Potenziale unserer heterogenen Gesellschaft kennt und verinnerlicht hat„. Die Idee mit der Institutionalisierung eines festen Gremiums aus Jugendlichen ist generell begrüßenswert. Allerdings stellt sich hier die Frage, aus welchen Bereichen diese Gremienmitglieder zusammengestellt werden sollen. Gibt es kompetente Jugendliche, die sich mit der inhaltlichen Thematik auskennen? Müssen das Studierende sein? Wie ist die geografische Verteilung? Darf oder sollte man als Teilnehmer der JIK in muslimischen Verbänden oder Organisationen aktiv sein? Wie hoch ist die Altersgrenze und wer bestimmt die Teilnehmer? All das sind noch ungeklärte Fragen, dessen Beantwortung bereits eine große Hürde darstellt. Ob und inwieweit die DIK-Teilnehmer die Diskussion mit den Jugendlichen eingehen und beachten sei dahin gestellt. Erarbeitete Konzepte unter den Jugendlichen, die den DIK-Teilnehmern vor jeder Sitzung präsentiert werden und sie somit quasi parallel arbeiten, könnte so manchen Denkanstoß geben.

2. Entsendung von jugendlichen Delegierten in die Deutsche Islam Konferenz

Hierbei wird vorgeschlagen, zwei Delegierte der institutionalisierten JIK an die DIK zu entsenden, die die Ergebnisse vorstellen und den aktuellen Stand der DIK an die JIK tragen sollen. Vielleicht wäre es sinnvoller für jeden Arbeitskreis der DIK einen Delegierten zu bestimmen oder zu wählen, die nicht nur die Ergebnisse vorstellen, sondern aktiv an den Diskussionen beteiligt werden.

3. Partizipation und Interaktion fördern – Eine Deutsche Islam Konferenz zum Anfassen

Die Forderung, dass sich die DIK für BürgerInnen öffnen soll, um Anfragen, Hinweise und Vorschläge entgegenzunehmen, würde die Arbeit und das Vorankommen der DIK deutlich drosseln, da viele der BrügerInnen durch die Medien beeinflusst werden  und ein verzerrtes Islambild verfügen. Voraussetzung für das Funktionieren einer solchen Interaktion ist es, dass die BürgerInnen immer auf dem aktuellsten Stand bleiben und die DIK ständig mitverfolgen. Ein Weblog könnte nur wenig Abhilfe schaffen. Eine Diskussion unter den BürgerInnen in diesem Weblog halte ich für nicht tragbar, zumal ich oft die Erfahrung von nicht sachlichen und schnell ausartenden Debatten, die bis zur Hetze übergingen, gemacht habe (wie beispielsweise im interaktiven Diksussionsportal vom Forum am Freitag). Wenn sowas nicht professionell moderiert wird, hat es eher Nachteile als Vorteile. Ich schlage daher eine höhere Transparenz vor, wie beispielsweise Live-Übertragungen aus den Konfernzen etc., spreche mich aber gegen ein Eingreifen der einfachen Bevölkerung in das Geschehen aus.

4. Ein Kuratorium für eine transparente Auswahl der TeilnehmerInnen

Mehrere Fragen ergeben sich aus diesem Punkt

– Wer bestimmt die Personen, die in diesem Gremium mitmachen sollen? Genannt werden muslimische und nichtmuslimische Personen des öffentlichen Lebens. Warum nicht Mitglieder der muslimischen Verbände? Im Extremfall wird die gesamte Arbeit abhängig von diesem Kuratorium sein, da sie ja letzendlich dafür entscheiden, wer mitmacht und wer nicht.

– Welche Kriterien sollen das sein, anhand denen die Teilnehmer festgelegt werden und vor allem, wer bestimmt diese Kriterien?

– Der höhere Grad an Legitimät erübrigt sich durch die fachliche Kompetenz, durch die Repräsentation anhand der Mitgliederzahlen (bei muslim. Verbänden) und durch politisch wichtige Funktionen bzw. Ämter.

5. Eine Wiederaufnahme der AG Medien

Kann ich überspringen. Stimme ich voll und ganz zu.

6. Einrichtung staatlich-muslimischer Dialogformen auf kommunaler Ebene

Statt kommunalen Kooperationsformen sind kommunale Organe der Innenministerien der Länder angebracht, die die Festlegungen und Beschlüsse der DIK entgegennehmen und in der Umsetzung bei muslimischen und staatlichen Institutionen behilflich werden. In dem Sinne wäre es eher ein Kontrollmechanismus als ein paralleles Dialogforum, mit dem das Vorankommen beschleunigt werden kann.

7. Signale senden – Die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz von Islam und MuslimInnen in Deutschland fördern

Meine Vermutung ist, dass aus gegebenem Anlass, dieser Punkt beim Innenminister wenig Gehör finden wird.

8. Weniger Staat – mehr BürgerInnen

Eine Öffnung für BürgerInnen sehe ich für ergebnishemmend. (Siehe Punkt 3)

9. AkteurInnen der Deutschen Islam Konferenz als MultiplikatorInnen begreifen

Stimme ich ebenfalls zu.

10. Begriffe neu denken: Die Einführung eines Begriffskodexes

Der Vorschlag ist: statt Begriffe wie „wir“ und „ihr“, „muslimisch“ und „saatlich“ zu verwenden, soll das Gemeinsame betont werden. Wir haben nicht den Punkt erreicht, wo die Unterschiede bereits feststehen, allgemein bekannt sind und wir nun darauf aufbauend einen neuen Begriffskodex erfinden können, der das Gemeinsame in den Vordergrund stellt. Damit eine effiziente Arbeit geleistet werden kann und die DIK ein Erolg wird, müssen erst einmal die Unterschiede vollständig geklärt werden. Was unterscheidet die muslimische Seite von der staatlichen? Wo sind die Unterschiede der muslimischen Verbände zu kirchlichen Institutionen? Wenn solche Fragen geklärt sind, wird es einfacher sein, das Gemeinsame zu betonen. Viel wichtiger ist die Vorantreibung der Anerkennung des Islams als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft, um auch Empfehlung 7 allen BürgerInnen vor Augen zu führen, sprich dass der Islam (schon seit mehr als 50 Jahren) ein Teil Deutschlands ist . Aus diesen Resultaten heraus kann das Gemeinsame betont werden. Nicht anders herum.

Bilal Erkin (23) ist Islamwissenschaftler (BA) und Master-Student der Islamischen Theologie (MA) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Private Website: http://bilalerkin.de

Bilal Erkin, M.A. 57 posts

Bilal Erkin ist studierter Islamwissenschaftler und Informationsverarbeiter. Derzeit ist er Doktorand am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück und Referent beim Avicenna-Studienwerk.

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