Osmanischer Orden für einen englischen Admiral

Es gibt fast keinen, der die Trafalgar Square in London nicht kennt. Den Namen dieses Platzes haben wird dem legendären Admiral Horatio Nelson (1805 gestorben) zu verdanken, der in die Geschichte durch seinen Sieg gegen Napoleon eingegangen ist. Die Seeschlacht von Abukir(Ebu Hur), den Nelson im Jahre 1798 gewonnen hatte, demonstrierte die Vorherrschaft Englands und wurde somit der Wendepunkt in der Weltgeschichte.

In einer anderen Seeschlacht, den Admiral Nelson im selben Jahr wieder gegen Franzsosen machte, verlor er seinen rechten Arm und kehrte nach einer Therapie in seiner Heimat wieder zu seiner Position als Admiral zurück. Der brutale Krieg ging weiter. Die zurückgezogenen Franzosen befanden sich nun im Mittelmeer und ihr Ziel war den Engländern nicht bewusst. Während sie versuchten dies herauszufinden, waren die Franzosen mit dem unerwarteten Befehl Napoleons auf dem Weg nach Ägypten.

Im ganzen Mittelmeer hatte eine Verfolgungsjagd begonnen. Nelson hat 2 komplette Jahre nach einer Spur gesucht, die die französische Flotte überführt. Schließlich erreichte die Nachricht, dass die Franzosen, die Malta bestezt hatten, in Richtung Alexandria aufgebrochen waren. Auch in dieser Angelegenheit hatte er seine Stärke bewiesen und sofort seiner Flotte den Befehl erteilt; Sie sollten Alexandria vor Napoleon erreichen. Und dies geschah auch. Sie waren in Alexandria 2 Tage vor den Franzosen angekommen.

Aber wo blieb denn nun die französische Flotte? War die Nachricht vielleicht doch falsch?

Das ungeduldige Warten wurde durch einen neuen Befehl abgelöst. Zurückkehren und nochmal nach den Franzosen suchen, lautete er. Hätten sie jedoch noch ein wenig Geduld gehabt, dann hätte weder Napoleon Alexandria betreten, noch könnten sie der unschlagbaren englischen Armada entkommen.

Genau in diesem Punkt ereignete sich etwas, was sehr selten in der Geschichte anzutreffen ist. Der von Alexandria zurückkehrende Nelson, sah die Franzosen nicht, die sich in 60 Meilen Entfernung Alexandria näherten und beide Flotten bewegten sich unbewusst voneinander in den Gewässern fort. Dieses Ereignis machte Napoleon Ägypten möglich.

England hatte Frankreich verpasst und es musste ein ganzer Monat vergehen, bis sie wieder von ihnen hörten. Die umherkreuzenden englischen Schiffe trafen schließlich am 1. Augusut 1798 gegen Sonnenuntergang in der Nähe des Hafens von Alexandria die Franzosen an. Typisch wie Nelson war, erteilte er den Angriffsbefehl, ohne Zeit zu verlierenl. Die überfallenen Franzosen gerieten in große Panik.

Auf 5 französische Schiffe feuerten 8 englische. Gegen Mitternacht, wurde die komplette französische Flotte aufgelöst; die meisten Schiffe sanken oder wurden beschlagnahmt. Während der Schlacht wurde Nelson am Kopf schwer verletzt. Aber er war so ehrgeizig, dass er nicht um seine Verletzungen sondern um die zwei geflohenen Schiffe trauerte.

Napoleon, der seine Eroberungen im Westen erfolgreich durchgeführt hatte und wegen der Niederlage seiner Flotte sehr genervt war, griff zwar Akkon an, wurde aber durch Cezzar Ahmed Pascha besiegt und konnte sich im Jahre 1799 auf eine Fregatte retten und nach Frankreich fliehen. Dass die dort übrig gebliebenen französischen Soldaten durch die Engländer als Kriegsgefangene gefangen genommen wurden, sollte daher keine Überraschung sein.

Diesen Sieg hat der osmanische Sultan Selim III. als Gelegenheit genutzt, um Admiral Nelson wegen seiner Hilfen mit einem Orden zu danken. Der als Geschenk gesandte „Murassâ Orden“ hatte einen Anhänger aus Diamanten und in der Mitte des Ordens befand sich ein Halbmond mit Stern. Weitere Geschenke waren ein Schwert mit goldener Hülse, ein goldbeschichteter Umschlag und ein Kaffetassen-Set. Diese Geschenke des Sultan Selim III. können heute noch im englischen „National Maritime Museum“ in Greenwich betrachtet werden.

Den Anhänger aus Diamant, die er durch seinen Erfolg und seine Hilfe gegenüber den Osmanen bekommen hatte, trug er an besonderen Anlässen. Den Orden nahm er nie von seiner Uniform ab. Diesen Orden hatte er sogar bei sich, als er 1805 im bekannten Trafalgar Krieg Napoleon besiegte und wegen seiner schweren Verletzungen sterben musste. Nun werden Besucher, die diese wertvollen Geschenke sehen, gewiß über die Folgen eines Krieges nachdenken.

Obwohl sich dass Osmanische Reich in einer Zeit befand, wo sie als kurz vor dem Zusammenbruch gesehen wurde, hat es nicht versäumt, den fremdländischen Generälen einen Orden zu geben und damit in die Geschichte einzugehen.

Und heute? Ich werde sprachlos…

Quellen:
– Abidin Daver, „Aboukir deniz harbi“ in Aylık Ansiklopedi, Jahrgang: 2, Nummer: 10, 1. April 1950, S. 145-146
– Greenwich National Maritime Museum Homepage, http://www.nmm.ac.uk/collections
– David Matthew, British Seamen, London 1943, William Collins
– Robert Southey, The Life of Nelson, US Naval Institute Press, 1990


Dieser Artikel ist eine genehmigte Übersetzung aus dem Buch
„Geri Gel Ey Osmanlı“von Mustafa Armağan


Übersetzer:
Bilal Erkin
ISBN: 978-975-6065-51-8
Verlag: ufuk kitap
Veröffentlichungsort: İstanbul, Oktober 2007
Seiten: 280

Bilal Erkin, M.A. 57 posts

Bilal Erkin ist studierter Islamwissenschaftler und Informationsverarbeiter. Derzeit ist er Doktorand am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück und Referent beim Avicenna-Studienwerk.

1 Kommentar

  • Turan Kaya (3 Jahren ago) Reply

    Sehr interessant und kurzweilig geschrieben. Danke. Ich wünschte mir auch ein Artikel über Cezzar Paşa.

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