Velâdet Kandili

Ortaköy Camii

Die Geburt des Propheten Mohammed (s.a.v.)

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Das Wetter ist schön und ich bin in guter Laune. Keine Anzeichen von Müdigkeit oder Schlafmangel. Heute verbringe ich wieder mal nur einen halben Tag im Institut. Um 14:00 Uhr findet nämlich ein Vortrag in der Yıldız Universitesi statt, zu der wir hingehen werden. Die Yıldız Üniversitesi befindet sich im Stadtteil Beşiktaş unweit von Taksim und besitzt einen unabhängigen Campus. Personen, die nicht an dieser Universität studieren kommen im Regelfall nicht hinein. An allen Eingängen sind Kontrollbeamte, die die jeweiligen Studenten auf den Studentenausweis hin kontrollieren. Da das Orient Institut Mitveranstalter dieses Vortrages ist, kommen wir ohne Probleme hinein. Der Campugarten beherbergt viel Grün und ist abgeschottet vom ganzen Lärm der Stadt. Keine herumfahrenden Autos, keine Huperei und keine Menschenmassen. Eine schöne und angenehme Lernatmosphäre mitten in der Natur. Ja hier würde ich gerne studieren wollen.

Der Vortrag findet m Rektoratsgebäude statt. Davor trinken wir noch einen türkischen Tee und nehmen so langsam Platz im Epfangssaal, ausgestattet mit komfortablen, gepolsterten Sitzmöglichkeiten, einer kunstvoll aufbereiteten Handmalerei an der Decke, die bestimmt vor einigen Jahrhunderten gemacht worden ist, und großen Fenstern mit Vorhängen aus dunkelrotem Samt. Die Referentin ist Irina Nevskaya und spricht heute über das „Entziffern von alttürkischen Runenschriften in der Altai-Region“. Ihre visuellen Dokumentationen der Schriften und ihr Inhalt fasziniert mich. Nach dem Vortrag entscheiden wir uns Praktikanten einen Rundgang um die Gegend zu machen und die Ortschaft zu erkunden.

Wir nehmen die Hauptstraße und gehen abwärts. Rechts neben soll der berüchtigte Markt von Beşiktaş sein. Links von uns sehen wir einen weiteren schönen Park mit einer Statue von Fâtih Sultan Mehmed Han. Unten am Hafen verweilen wir ein wenig und schießen Fotos vom Marmara Meer und von der Moschee, die sich nebenan befindet. Die Sonne, die sich nun hinter der Kuppel versteckt, lässt ihre Strahlen über der Kuppel hinweg scheinen und es ensteht dadurch ein sehr schöner Effekt. Ich lasse es mir nicht entgehen und mache direkt ein Foto. Danach geht es die Hauptraße weiter, entlang der Mauern des Dolmabahçe Palastes. Spontan entscheiden wir uns, diese zu besichtigen. Als Problem stellt sich nur die Suche nach dem Eingang heraus. Wir laufen soweit, bis wir sogar das Stadion von der türkischen Fußballmannschaft Beşiktaş sehen, aber finden schließlich den Eingang. Den dort stehenden Polizisten fragen wir, ob wir rein können. Er weist uns freundlich ab. Wir haben Pech. „Dolmabahçe Sarayı“ hat heute nicht geöffnet. Das müssen wir halt ein anderes Mal versuchen.

Wenn wir schonmal am Hafen sind, warum fahren wir nicht nach Ortaköy mit ihrer berühmten Moschee? So geschieht es auch und wir nehmen dazu den überfüllten Bus. Da ich stehen muss und die Busfenster niedriger als meine Augenhöhe sind, sehe ich außerhalb nur Bordsteine und die Menschen die auf ihre gehen. Was drum herum ist sehe ich nicht. Irgendwann höre ich von ganz weit vorne einen Ausruf: „Ortaköy!“. Wir sind da. Wir steigen alle aus und sehen hinter uns die riesengroße Boğaziçi Brücke. Wegen der langen Wanderei sind wir alle hungrig geworden. Ein Kumpir-Laden kommt uns ganz gelegen und wir füllen darin unser Magen. Nach dem Essen laufen wir einer Reihe von Imbissbuden vorbei. Einer unserer Praktikanten war schonmal hier, weswegen er uns die einzelnen Spezialitäten beschreibt. Immer wenn er zur Beschreibung die Hand hebt und in Richtung eines Ladens zeigt, hört man mehrere laut werdende Stimmen die nur eins schreien: „Buyrun Abi buyruoan!“ (Herzlich willkommen / Bitteschön). Von außen betrachtende würden glatt meinen, dass die Imbissbesitzer unsere Verwandten wären und uns schon lange nicht mehr gesehen hätten.

Es ist schon dunkel geworden. Am Ende der Straße fängt auch schon das Meer an. Wo die Straßen Enden, fängt das Fundament der Ortaköy Moschee an und geht mehrere Meter außerhalb der Straße ins Meer hinein. So als ob die Moschee schwimmen würde. Ihr eigentlicher Name lautet „Büyük Mecidiye Cami“ (Große Mecidiye Moschee). Eine Moschee in neobarockem Stil. Als ich die Gebetshalle betrete erwartet mich eine beige, warme Atmosphäre. Sie ist weit kleiner als die Gebetshallen, die ich bisher besucht habe. Der quadratische Grundriss ragt mit ihrer hohen Kuppel in die Höhe. Auf der Innenseite der Kuppel befinden sich wunderschlne Malereien von diversen Landschaften und Wolken. Schaut man aus dem Fenster der Moschee, sieht man das Meer.

Obwohl ich geplant hatte, diesen besonderen Abend (Jahrestag der Geburt Mohammeds) in einer großen Moschee zu verbringen, hat der Bus für den Rückweg diesen Plan zunichte gemacht. Eigentlich hatte der Bus keine Schuld daran. Die Straßen von Istanbul seien um die späten Abendstunden immer so voll.

Ich wünsche trotzdem allen Muslimen aus Istanbul eine gesegnete Mevlîd-Nacht. Kandiliniz mübârek olsun!

Bilal Erkin, M.A. 57 posts

Bilal Erkin ist studierter Islamwissenschaftler und Informationsverarbeiter. Derzeit ist er Doktorand am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück und Referent beim Avicenna-Studienwerk.

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